Archiv für das Tag 'Werwolf'

Der Halbelf und die Erdnußmillionen

26. September 2010

Der Halbelf und die Erdnußmillionen

Mina schnippte gelangweilt eine angeknabberte Erdnuß aus dem Seitenfenster des Autos, während sie an der Zapfsäule auf Bedienung wartete.

Die Erdnuß traf ein winzig kleines Sensorfeld und Konfetti und Luftschlangen wirbelten durch die Gegend, während eine blecherne Stimme ihre zu dem Millionengewinn gratulierte. Verdutzt stieg sie aus dem Wagen und ging mit fragendem Gesichtsausdruck zum Schalter der Tankstelle.

Ihr Stammgastwirttankstellenwart schob ihr mit einem Grinsen die Quittung zu und meinte: „In all den Jahrhunderten hat das noch keiner geschafft und ich hatte das Gewinnspiel auch schon völlig vergessen. Herzlichen Glückwunsch, Mina.“ Tatsächlich, die Quittung sagte es, auf ihrem Konto waren eine Millionen gutgeschrieben worden. Was sie damit alles anstellen konnte. Ein neues Auto mußte es aufjedenfall sein, der alte Wagen war schon sehr in die Jahre gekommen und just in diesem Moment kamen weitere Beulen hinzu, denn hinter der Tankstelle und ein paar Meilen weiter, hatte ein Vulkan beschlossen, etwas Asche und Steine auszuspucken. Sicherheitshalber blieb Mina noch ein kleines Weilchen hinter der Tankstelle und lugte vorsichtig um die Ecke. Imposante Wolken quollen in Grau- und Orangetönen dem Himmel entgegen, in eleganten Bögen und mit welligen rauchigen Schweifen flogen Felsen und kleine Kieselsteine in allen Richtungen davon. Einige davon trafen auch den alten Wagen von Mina, die beschloß ein längeres Weilchen hinter der Tankstelle zu verweilen.

Während der Vulkan sich noch nicht entschließen konnte, sein Spektakel zu beenden, versuchte Mina ihren Mann zu erreichen. Ihr Handy war aber viel zu abgelenkt und bibberte in ihrer Hosentasche vor sich hin. >> Nagut << dachte Mina >> dann kauf ich uns halt schon mal eine Wohnung und schau dann mit ihm zusammen, was wir mit dem restlichen Geld machen wollen << Gedacht getan, per gedanklicher Spacenet-Verbindung kaufte sie in einem der einzigen beiden Hochhäuser eine schicke Wohnung.

Zu den beiden Hochhäusern war der Weg nicht weit und der Stein- und Geröllhagel hatte so stark nachgelassen, daß sich Mina zu Fuß auf den Weg machte, ihre Wohnung auch zu besichtigen. Leider hatte sie sich gar nicht gemerkt in welchen der beiden Hochhäuser sich die Wohnung befand, also ging sie zuerst zu dem hinteren Hochhaus. Es gab in diesem Gebäude auch einen wunderschöner Fahrstuhl, die Wände schienen aus graublauen auf hochglanzpolierten Marmor zu bestehen und ein messingfarbenes Geländer lud zum Festhalten ein.

Während Mina sich unschlüssig die Schalttafel anschaute, denn sie wußte auch nicht, in welcher Etage sich ihre schicke neue Wohnung befinden sollte, stürmten ein paar wildaussehende Menschen und noch wilder aussehende Wölfe in den Fahrstuhl. „Nun drück schon die 263.“ Knurrte einer der Menschen und die Wölfe stimmten ein schaurigschönes Geheul an, dessen Echo eindrucksvoll das Treppenhaus füllte. Ein anderer Mensch schnüffelte an ihr und die Wölfe ließen ihre Augen gelb aufleuchten.

Etwas furchtsam aber auch neugierig drückte sich Mina in eine Ecke. „Keine Sorge, wir jagen einen Vampir und Du bist ja nur ein Halbelf.“ „Ich bin ein Halbelf? Das wußte ich ja noch gar nicht.“ Etwas zutraulicher wagte sich Mina wieder aus der Ecke heraus. Der Fahrstuhl hatte mittlerweile die entsprechende Etage erreicht und die wilde Werwolfbande stürmte aus der wunderschönen Fahrstuhlkabine heraus. Zögerlich wagte auch Mina einen Schritt aus der Fahrstuhlkabine heraus, aber eigentlich wollte sie lieber drinnen bleiben, es war einfach zu schön da. „Kindchen, Du bist im falschen Haus.“ Eine grellgeschminkte Frau im Einheitsmaklerkostüm eilte geschäftig um die Ecke, „Du mußt in das andere Haus und da auf die Etage G.“ Ihre Brille rutschte gefährlich nah an die Nasenspitze heran, deren Bügel sich drauf gefaßt machte, sich feste in das goldene Kettchen zu krallen. „Oh.. oh.. Danke.“ Minas Wangen wurden zartrot und ihre Ohrspitzen beschlossen, nach der Offenbarung der Werwölfe, etwas spitzer zuzulaufen.

Der Fahrstuhl sauste in atemberaubender Geschwindigkeit runter in das Erdgeschoss, nun mußte Mina sich doch vom Fahrstuhl verabschieden und während sie ging, meinte sie noch ein langezogenes Jaulen zu hören. Im anderen Gebäude angekommen gab es ebenfalls einen Fahrstuhl, kuscheliger roter Samt mit seidenen rosa Herzen betörten die Schuhe seiner Fahrgäste und spiegelnde bronzefarbene Wände deckte jede Hautunreinheit gnadenlos auf. Aber die Musik war gut und so vertraute sich Mina diesem Fahrstuhl ebenso an, wie dem anderen. Noch kurz lauschte sie ins Treppenhaus, bevor ihr Zeigefinger auf das G drückte. Endlich hatte sie ihre neue Wohnung gefunden und endlich hatte sie es geschafft ihrem Mann eine SMS zuzusenden.

Nun konnten sie gemeinsam ein neues Auto kaufen und damit glücklich zur nächsten Tankstelle fahren…

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Es tut gar nicht weh (Werwolfgeschichte)

9. Oktober 2009

Es tut gar nicht weh

Nervös geht er hin und her.
Seine Hände krallen sich in sein dunkles lockiges Haar, als wolle er sich die Haut vom Kopf reißen.
Schweiß quillt aus seinen Poren, der Stoff seiner Kleidung ätzt seine Haut.
Er lässt seine Haare los und reißt sich die Kleidung vom Leibe.
Er ist nackt und sein Gesicht ist der Ausdruck reinsten Schmerzes.
Heiß lodert er in seinem Inneren und kalt glänzt der Schweiß auf seiner Haut.
Er sieht nicht mehr, er hört nicht mehr, er riecht nicht mehr.
Er ist der Schmerz, der ihn jetzt in die Knie zwingt.
Die Berührung des Teppichs ist die stachelige Spitze des Schmerzes.
Nur seine Hände und Füße berühren den Teppich, sein Körper wölbt sich nach oben. Aber der Schmerz zwingt nun doch die Knie auf den Boden.
Er kann nicht schreien, denn der Schmerz nimmt ihm die Stimme.
Ein Beobachter würde nur ein Keuchen hören, ausgestoßen von Lungen die sich mit Luft füllen und dabei ihre Form ändern.
Knochen brechen, ordnen sich neu an. Organe verändern ihre Form und Größe und ordnen sich neu an.
Seine Oberschenkel verkürzen sich, seine Hände und Füße verlängern sich.
Finger verkürzen sich, Nägel wachsen.
Fell wächst, bohrt sich wie feurige Nadelstiche durch die Haut.
Man hört das Knacken der brechenden Knochen, erahnt nicht im leisesten, wie sehr es schmerzt.
Zähne fallen blutig aus, die Kiefer verformen sich.
Zähne wachsen, scharf und spitz.
Die Nase so empfindlich, daß Gerüche zu sehen sind.
Die Ohren so scharf, daß Töne zu sehen sind.
Der Körper erbebt ein letztes Mal, der Mensch denkt ein letztes Mal, dann ist es vollendet.
Instinkt treibt ihn voran, er fühlt sich leicht, schnell und unglaublich stark. Unter prächtigem Fell sieht man das geschmeidige Spiel starker Muskeln, sein Ruf hallt durch die Straßen und Wissende zucken ängstlich zusammen…

Ich liebe diese Szene der menschlichen Phantasie. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich mir diesen Film schon angeschaut habe, aber es war bestimmt schon mehr als 15 Mal.
Während der Film-Werwolf auf die Jagd geht schweifen meine Gedanken ab. Ich denk an all die Bücher die sich mit Werwölfen befassen. Es gibt sogar Rollenspiele, die sich mit Werwölfen und Vampiren befassen. Es ist faszinierend, wie sehr der Mensch sich mit den finsteren Abgründen seiner selbst befasst und das zum Teil auf heroische Weise.
Garou werden Werwölfe im Rollenspiel genannt, streng getrennt nach Herkunft, Fähigkeit und Art, unterteilt in Clans.
In der Literatur gibt es sogar Wer-Schakale, von den ganzen Wer-Katzen und Wer-Was-Weiß-Ich ganz zu schweigen.
Aber dennoch zieht es den Menschen immer wieder zu den Wölfen. Jenen herrlichen Tieren um die sich so manche Sagen ranken. Leider meist Sagen und Geschichten in denen der Wolf eine eher unrühmliche Figur macht.
Man sagt, der Wolf war vor den Menschen und er würde noch nach den Menschen sein. Vielleicht ist das der Anlaß für all die Geschichten. Gefürchtet und geliebt zugleich, jagt der Mensch ihn oder will er eins sein mit ihm. Manchmal möchte der Mensch sogar in die Haut des Wolfes schlüpfen.
Ach da fällt mir ein, da gab es noch jenen Werwolffilm, da verwandelt sich der Mensch mehr innerlich als äußerlich in den Wolf. Eine wirklich gelungene Interpretation des Werwolfes hervorragend dargestellt. Aber das ist kein Wunder, der Darsteller ist einer von uns.

Das Geschehen auf dem Bildschirm holt mich aus meinen Gedanken zurück. Der Mann unterhält sich mit seinen toten Opfern, sie flehen ihn an, er solle sich selber töten, damit auch sie ihre Ruhe finden.
So ist es aber nicht, niemals flehen tote Opfer ihre Täter an, sie bleiben tot.
Nun wird er erschossen, zurück bleibt der verletzliche schwache menschliche Körper, getötet von entsetzlich normalen Geschossen.
Irgendwie gefielen mir die älteren mystischeren Geschichten um den Werwolf mehr, als das neumodische Zeugs von heute.

Ich stehe auf.
Es ist Nacht und als ich den Vorhang zur Seite schiebe, ergießt sich silbern das Licht des Vollmondes in das Zimmer.
Ich halte eine Hand in das Mondlicht.
Es ist warm und irgendwie kühl zugleich.
Es prickelt und in meinem Bauch breitet sich ein Gefühl aus, wie es nur frisch Verliebte kennen.
Ein wohliges Flattern, nervöse Freude auf das was jetzt folgen wird.
Ich ziehe mich aus, gestatte aber nur einer Hand oder auch mal einen Fuß das Bad im Mondlicht.
Zu schön ist das Gefühl.
Ich zögere es genießerisch hinaus.
Immer mehr Haut laß ich vom Mond bescheinen, ich räkel mich auf dem kühlen Parkett meines Wohnzimmers.
Kühl aber nicht kalt, berührt das Licht des Mondes meine Haut.
Meine Gedanken ändern sich.
Damit fängt es immer an.
Die Gedanken ändern sich.
Ich spüre das Blut der Familie, älter als das Blut der Menschen.
Ich rieche das Licht des Mondes und höre seine süße Melodie.
Mein Körper sehnt sich nach der Liebkosung seines Lichtes.
Er reckt sich ihm entgegen, dreht und windet sich.
Meine Gedanken schwinden, werden weniger fassbar und doch so klar.
Und während sich meine Muskeln straffen, meine Pfoten im schnellen Lauf den Boden kaum berühren, die Lust nach des Opfers Blutes fast schon unerträglich wird, denke ich ein letztes Mal: Es tut gar nicht weh…

Ezri, Zürich 03.01.2004

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