Archiv für die Kategorie 'Gruselgeschichten (nur Selbstgeschriebenes)'

Das Telefon klingelt (geträumte Gruselgeschichte)

9. Oktober 2009

Na denn poste ich hier auch mal einen meiner seltsamen Träume, die mir so lebendig in Erinnerung geblieben sind.

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Und das Telefon klingelt und ich wache endlich auf…

Da liegen sie vor mir.
In zwei Reihen.
17 Menschen im Gras.
Es ist die gesamte Belegschaft einer kleinen Firma.
Der jüngste ist 23 und der älteste 47.
Sie tragen Kittel oder feine Anzüge und Kostüme, je nach Position.
Sie schlafen, eingeschläfert von einer Droge.
Ich atme tief durch, dann hebe ich den Spaten.
Beim ersten bin ich dann doch erstaunt, ein Hieb und der Kopf ist vom Körper abgetrennt.
Der Spaten ist gut geschliffen und als ich beim letzten ankomme, fühle ich mich noch immer ausgeruht.
Von der Schubkarre hole ich die Tiefkühlbeutel.
Für jeden Kopf eine.
Sorgsam verschließe ich die Beutel und schreibe das Alter der jeweiligen Person drauf.
Alle Beutel lege ich dann in die Schubkarre.
Und dann geh ich einfach weg.

Er schaut mich an, er weiß es.
Er weiß, was ich getan habe, denn es steht in dem Buch, welches nun als Kino-Version auf der Leinwand erscheint.
Ich sitze im Kino und schaue mir mein Werk an, denn ich bin der Autor.
Jeder denkt, dass ich nur diesen Fall benutzt habe um eine gute Geschichte zu schreiben.
Aber er weiß die Wahrheit.
Er verfolgt mich.
Sein Blick brennt sich in mein Hirn ein.
30 Jahre
30 Jahre
30 Jahre
Ich sehe mich in schlichter grauer Kleidung, die Tür der Zelle schließt sich für 30 Jahre.
Er weiß es und er weiß, dass ich es weiß, dass er es weiß.
Er genießt meine Angst.
30 Jahre, die Schlinge zieht sich zu.
Er will das Spiel beenden, er hat genug von meiner Angst.
Er gibt den Behörden und der Polizei die Beweise.
Fotos: Ich hebe den Spaten und laß ihn auf den Hals herabsausen, der Kopf rollt etwas zur Seite…
Sie kommen und wollen mich holen.
30 Jahre! Ich will nicht, lieber tot sein, als 30 Jahre eingesperrt.

Das Telefon klingelt und erleichtert wache ich auf…

Heute ist Beltane und ich träum solch ein Zeugs..

(hab ich heute wirklich geträumt)

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Die Flucht (Zombie-Vampir-Geschichte)

9. Oktober 2009

Die Flucht

Gehetzt schaut sie sich um. Ihre Kleidung klebt an ihrem Körper. In wenigen Augenblicken würden ihre Verfolger sie erreicht haben. Und sie konnte nicht entkommen, denn der Weg war zu ende.
Sie hatte auf ihrer Flucht einen Fehler begangen, sie war in ein Gebäude geflohen und fatalerweise war sie in diesem Gebäude nach oben geflohen. Diesen Fehler würde sie nun bezahlen, mit ihrem Leben. Jeder noch denkende Mensch wusste, dass Gebäude in diesen Zeiten Todesfallen waren und dennoch war sie hinein gelaufen. Seit es damals begonnen hatte, hatten die Menschen gelernt zu überleben. Sie verloren ihre Skrupel, auf diese Wesen, die einmal Menschen waren, zu schießen oder sie anderweitig zu vernichten. Der Vorteil der denkenden Menschen ist, dass sie schnell sind und dass sie denken können.
Der Vorteil dieser Wesen ist, dass sie schon tot sind.

Doch nun nutze es ihr nichts mehr, dass sie schnell ist und denken kann. Sie hatte einen tödlichen Fehler begangen, sie war in diesem Gebäude in eine Sackgasse geraten. Ausgerechnet sie, die so gut im Überleben war. Sie hatte gelernt mit Waffen umzugehen und sie hatte gelernt zu kämpfen. Das Überleben hatte sie stark gemacht, ihr Körper ist durchtrainiert und ihre Reflexe ausgezeichnet. Aber nun wird alles zu ende sein.
Stimmen ohne Sprache und Worte dringen an ihr Ohr, nähern sich ihr. Sie schaut sich panisch um, immer noch hoffend einen Ausweg zu finden. Vor ihr und an ihrer rechten Seite befindet sich eine Wand, links von ihr eine Brüstung und hinter ihr diese Wesen, die einmal Menschen waren. Sie späht über die Brüstung, alles was sie sehen kann ist eine bodenlose Tiefe, eine undurchdringliche Schwärze. Ca. ein Meter fünfzig bis zwei Meter von der Brüstung entfernt ragt eine metallene Stützkonstruktion bis an das Dach dieses seltsamen Gebäudes. Das erste Wesen tastet sich um die Ecke, aus seiner Kehle kommen undefinierbare Laute. Es hat nur einen Antrieb in seiner Existenz. Es braucht Nahrung. Es braucht lebende Nahrung. Fleisch, Menschen und zwar lebend.
Langsam und bedächtig wankt es auf sie zu. Seine Haut ist bleich und um seinen Mund herum schimmert bräunlich getrocknetes Blut von vorangegangenen Mahlzeiten. Seine Haare kleben an seinem Kopf, seine Kleidung ist fast nicht mehr als solche zu erkennen. Das schmutzige Hemd ist über der Brust aufgerissen und in seiner Brust klafft ein hässliches ausgefranztes Loch. Sein Blick ist starr und tot und nur die unheimlichen Geräusche die ihm über die Lippen dringen und die Tatsache, dass es auf sie zuwankt zeugen von seinem untoten Dasein.
Sie reißt ihre Waffe hoch und richtet sie auf den Kopf des Wesens. Als es nah genug heran ist, drückt sie ab. Es ist ein Reflex von ihr. Zu spät fällt ihr ein, dass es ihre letzte Kugel war. Die Kugel, die sie für sich selber bestimmt hatte. Der Schädel des Wesens wird von der Kugel förmlich auseinander gerissen und das Wesen kippt nun endgültig tot zur Seite. Die Geräusche schlurfender Schritte verraten ihr, dass noch mehr dieser Wesen hinter ihr her sind und sie gleich erreicht haben müssen.
Ihr Blick gleitet wieder zu dieser Metallkonstruktion, die aus dem schwarzen Nichts tief unter ihr zu kommen scheint. Das Metall blitzt im strahlenden Sonnenlicht, welches durch das gläserne Dach fällt. In einer normalen Welt wäre heute ein wunderschöner Frühlingstag im Mai. Aber die Welt hatte sich verändert.
Das nächste Wesen schlurfte um die Ecke. Mit dem schief hängenden Kopf wirkte es irgendwie traurig. Aber es war nicht traurig, Emotionen besaß es nicht mehr. Der Kopf hing nur traurig zur Seite, weil sein Genick gebrochen war. Kurz nur schaute sie dieses Wesen an und bevor sie nachdachte kletterte sie auf die Brüstung und hechtete zu dieser Metallkonstruktion.
Würde sie diese erreichen, würde sie noch etwas weiterleben, würde sie diese verfehlen, dann würde sie in den endgültigen Tod springen.
Der endgültige Tod, vielleicht die bessere Wahl, denn sie würde dann nicht als eines dieser Wesen auf der Erde wandeln, sondern wirklich tot sein. Kalt und starr und irgendwann verrotten.
Als ihre Füße die Brüstung verließen, meinte sie noch kurz eine zarte Berührung an ihrer linken Ferse zu spüren und dann prallten ihre Hände auf diese Metallkonstruktion auf. Die anvisierte Strebe rutschte ihr aus den Fingern und sie fiel. Sie fiel nicht tief, ihre Hände fanden blitzschnell einen anderen Halt und ein scharfer Ruck in ihren Armen bremste den Fall. Mit ihren Füßen angelte sie blind nach einer Möglichkeit sich hinzustellen. Sehr lange würden ihre Hände und Arme ihr Gewicht nicht tragen können. Endlich hatten auch ihre Füße Halt gefunden. Nun konnte sie etwas ausruhen. Ausruhen und nachdenken.
Auf der Galerie, auf der sie soeben noch stand fanden sich immer mehr dieser Wesen ein. Ihr Geheul hallte schaurig durch das Gebäude. Sie hatten Nahrung gefunden und konnten es doch nicht erreichen. Einige von ihnen kletterten ebenfalls auf die Brüstung, aber statt zu springen ließen sie sich einfach nur hinunterfallen. Sie kann den Anblick dieser Wesen nicht ertragen. Vorsicht hangelt sie sich um diese Stahlsäule herum. Es ist eine gewaltige Konstruktion aus Stahlstreben. Der Hauptstützpfeiler dieses turmhaften Gebäudes, der Träger des gläsernen Daches. Auf der anderen Seite der Säule könnte sie das atemberaubende Panorama der Stadt genießen, welches in gleißendes Sonnenlicht getaucht war. Aber die Stadt war tot. So tot wie, fast alle ihrer Bewohner. Unendlich langsam verstreicht die Zeit. Ihr Blick wanderte immer öfter in die Tiefe. Irgendwo da unten verlor sich das Sonnenlicht, ging über in einen diffusen Schimmer und dann in unendliche Schwärze. Ihre Arme fangen an zu schmerzen und sie änderte ihre Taktik. Sie hängte nun ihr Körpergewicht an einen Arm um den anderen zu entlasten. Sie hoffte so länger durchzuhalten. Doch wozu sollte sie länger durchhalten? Niemand würde kommen und sie retten. Niemand wusste, dass sie hier war. Niemand, außer diese immerhungrigen Wesen. Diese Erkenntnis kommt ihr ganz nüchtern und kühl. Nüchtern und kühl stellt sie für sich fest, dass ihr Lebensweg hier endet. Einfach so. Niemand wird um sie trauern, niemand wird ihren Tod beweinen. Eigentlich sollte diese Erkenntnis sie traurig stimmen. Aber zu Trauer war sie schon lange nicht mehr fähig. Einmal noch lässt sie ihren Blick über die Silhouette der Stadt gleiten, einmal noch blickt sie in den Himmel und zur Sonne, dann zuckt sie wie entschuldigend die Schultern und lässt los.
Nicht ein Ton kommt über ihren Lippen während ihr Körper in die Tiefe rast, der Schwärze entgegen. Ihre Augen sind geöffnet und sie erwartet den knochenzerschmetternden Aufprall. Den Schmerz ihres zerberstenden Körpers, bevor das Nichts des Todes kommt. Ihr Körper hat das Sonnenlicht passiert und taucht in die Finsternis ein. Wie Stahlklammern legen sich plötzlich Hände um ihre Arme und Beine und fangen ihren Sturz hart ab. Brutal wird sie aus den Fall gerissen, kurz hat sie das Gefühl, dass ihrer Gliedmaßen ihr einfach ausgerissen werden, dann Ruhe. Noch immer hat sie die Augen geöffnet. Sie versteht nicht. Durch den raschen Wechsel vom Sonnenlicht in die Finsternis ist sie noch immer geblendet. Sie fühlt nun, dass ihre Beine losgelassen werden und jeweils zwei Hände ihre beiden Arme umfassen. Sie scheinen einfach in der Luft zu schweben, sie und ihre Lebensretter. Endlich kommen ihre Augen ihrer Bestimmung nach und sie erkennt einen düsteren Schein tief unten. Tief unten? Sie dreht ihren Kopf um zu sehen, wer sie da mitten in der Luft festhält. Sie hört nur sich selber atmen, niemanden sonst. Konnten diese Wesen etwa fliegen?
Sie schaut geradewegs in tiefschwarze Augen. Augen gefüllt mit einer unheilvollen Glut. Diese Glut war in den Augen der Untoten nicht zu sehen, es mußten anderen Wesen sein. Das Wesen auf der anderen Seite hatte den gleichen Blick, unheilvoll und hungrig. Ja hungrig, das war der richtige Ausdruck dafür. Jetzt bemerkte sie, dass sie sich abwärts bewegten. Sie konnte nicht feststellen wie, nur dass es geschah. Als sie wieder nach unten sah, bemerkte sie einen Lichtschein und Bewegung. Das Licht war unstet, es schien zu flackern, so wie Feuer. In diesem Lichtschein erblickt sie noch mehr Gestalten. Ihre Füße näherten sich dem Boden und endlich stand sie. Eigentlich hätte sie schon lange tot sein sollen. Und nun stand sie hier, umringt von diesen anderen Wesen. Wesen, die schweben konnten und nicht atmeten.
Der Ring um sie herum bricht auf und ein Mann kommt auf sie zu. Die anderen machten ihm respektvoll Platz. Bisher ist kein einziges Wort gefallen. Im Gegensatz zu den schaurigen Geräuschen der Zombies, war die Stille hier eine Wohltat und unheimlich zu gleich. Nun steht der Mann direkt vor ihr. Er überragt sie um einen Kopf und schaut sie aus den gleichen schwarzen Augen an, wie alle hier unten. Sein Gesicht trägt angenehme weiche Züge. Wenn dieser durchdringende Blick nicht wäre, würde man diesen Mann für freundlich halten, für höflich und zuvorkommend ohne jedoch an Männlichkeit zu verlieren.
Sie schaut ihn unverwandt an und irgendwie hat sie so ein eigenartiges vertrautes Gefühl. Dieses Gesicht kommt ihr so bekannt vor. Und diese Fasterinnerung löst in ihr ein Wohlbefinden aus, eine seltsame Vertrautheit. Sie verspürt überhaupt keine Angst, obwohl ihr Instinkt ihr sagt, dass sie zwar nicht durch den Sturz ums Leben kam, wohl aber durch diesen Mann sterben wird. Er fixierte sie weiterhin mit seinen schwarzen Augen.
„Du kennst mich… . Du hast mich in Deinen Träumen gesehen… . Seit 7 Nächten schon besuche ich Dich jede Nacht… .“
Hörte sie ihn sprechen, oder war seine Stimme nur in ihrem Kopf? Sie sah nicht, dass sich seine Lippen bewegten. Aber der Klang seiner Stimme riefen die Erinnerungen an ihre Träume wach. Ja, es stimmte. Sie kannte ihn aus ihren Träumen. In ihren Träumen war die Welt wieder wie früher. Ohne diese Zombies. In ihren Träumen hatte sie ihn kennen gelernt. Er warb um sie, machte ihr den Hof. Klassisch und galant. Er bewirkte, dass sie sich in ihn verliebte in ihren Träumen. Und nun stand er vor ihr. Er schien ihre Gedanken zu erraten.
„Ich bin der Prinz aus deinen Träumen. Und ich werde Dich mitnehmen in mein Reich. Doch Du sollst mir freiwillig folgen.“
Sie runzelte nicht verstehend die Stirn. Da entblößte er seine Reißzähne. Schlagartig verwandelt sich ihr Wohlbefinden in Angst und sie weicht einen Schritt zurück. Weiter zurückweichen kann sie nicht, denn direkt hinter ihr steht einer der anderen Vampire.
„Ich werde Dir die Wahl lassen. Entweder Du folgst mir oder Du dienst als Nahrung für meine Brut. Entscheide Dich jetzt.“
„Vampire“ endlich bahnte sich diese Erkenntnis einen Weg in ihren Verstand. Entweder sie würde selber ein Vampir werden, oder aber diese Brut hier würde ihr Blut trinken, bis sie wirklich starb. Und sie sollte sich jetzt entscheiden. Wild wirbelten ihr Gedanken durch ihr Hirn. Völlig ungeordnet und chaotisch. Bilder von zu Hause, Bilder von dem ersten Zombie den sie erlegte und zwischendurch Vorstellungen davon, wie es sein könnte, wenn sie tot oder ein Vampir war. Vampir sein bedeutet untot zu sein. Allerdings untot mit Gedanken. Zombies dachten nicht, die existierten nur. Tot, bedeutet nicht mehr existent zu sein. Sie schaut dem Prinzen wieder in die Augen, macht einen Schritt auf ihn zu und schließt ergeben die Augen.
Stumm stehen die anderen Vampire da und schauen zu, wie ihr Prinz die junge Frau in die Arme schließt. Mit einer zärtlich anmutenden Bewegung legt er sanft ihren Kopf zur Seite und entblößt ihren Hals. Ihre Halsschlagader pulsiert im Rhythmus ihres panisch schlagenden Herzen. Dann bohren sich seine scharfen Reißzähne sich in die zarte Haut ihres Halses. Kurz nur lässt der scharfe Schmerz sie zusammenzucken. Aber wie die Spitzen der Reißzähne die Haut der Schlagader durchbohren spürt sie schon nicht mehr. Der Speichel des Vampirs hat die Bisswunde betäubt und dringt in ihren Blutkreislauf ein. Mit jedem Schluck den der Vampir trinkt steigert sich ihre sexuelle Erregung. Sie presst ihren Körper fest an den seinen. Sie will ihn spüren, sie will dass er von ihr trinkt. Sie ist berauscht von diesem Gefühl und sie will noch mehr. Als ihr Körper orgiastisch zu zucken anfängt lässt er von ihr ab. Er hat genug getrunken, etwas Blut muß noch in ihrem Körper bleiben, damit sie sein Kind werden kann. Sie klammert sich an ihn, ihr Blick bettelt darum, dass er weiter trinkt. Doch er hält sie eisern fest und wartet geduldig, bis sie sich beruhigt.
Als die Euphorie nachlässt spürt sie die Kälte und die Schwäche, die der Blutverlust mit sich bringt. Ihre Beine fangen an zu zittern und hätte der Prinz sie nicht in den Armen gehalten, wäre sie zu Boden gestürzt. Geduldig warten der Prinz und seine Brut ab, bis sie aus ihrer Ohnmacht erwacht. Entsetzlicher Hunger wühlt in ihren Eingeweiden, doch sie ist zu schwach um auf eigenen Beinen zu stehen. Der Vampir ritzt sich mit einem scharfen Messer in das Handgelenk. Schwarz und zäh rinnt sein Blut heraus. Er führt das Handgelenk an ihren Mund. Sie riecht das schwarze Blut des Vampirs und gierig leckt ihre Zunge über die Wunde. Mit ihren Lippen umschließt sie den Schnitt wie zu einem Kuß und fängt kräftig fängt an zu saugen. Köstlich rinnt das schwarze Blut ihr die Kehle hinab, füllt ihren Magen und sie möchte nie wieder aufhören zu trinken.
Still und ehrfürchtig schaut die Brut zu. Dieses Ritual hatte etwas heiliges für sie, sogar in ihrem untoten Leben. Das einzige, was ihnen heilig ist. Untotes Leben erschaffen.
Nach einiger Zeit löste er sie mit sanfter Gewalt von seinem Handgelenk. Sie war nun sein Kind, von ihm erschaffen. Sie war ihm auf ewig hörig und er für sie verantwortlich. Er war stolz auf sein neues Kind, denn sie war eine ausgezeichnete Wahl. Sie war körperlich in einem sehr guten Zustand und es schmeichelte seiner Eitelkeit, dass sie zudem auch noch sehr gut aussah. Sie würde eine lange Zeit an seiner Seite verweilen dürfen, bis er ihrer überdrüssig wurde und sich eine andere Gefährtin aussuchte. Aber bis dahin würde noch viel Zeit vergehen.

Ezri, Pinneberg, den 06.05.2002

Nachtrag: Diese Geschichte habe ich real geträumt und rasch aufgeschrieben. Ich liebe solche Träume :)

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Es tut gar nicht weh (Werwolfgeschichte)

9. Oktober 2009

Es tut gar nicht weh

Nervös geht er hin und her.
Seine Hände krallen sich in sein dunkles lockiges Haar, als wolle er sich die Haut vom Kopf reißen.
Schweiß quillt aus seinen Poren, der Stoff seiner Kleidung ätzt seine Haut.
Er lässt seine Haare los und reißt sich die Kleidung vom Leibe.
Er ist nackt und sein Gesicht ist der Ausdruck reinsten Schmerzes.
Heiß lodert er in seinem Inneren und kalt glänzt der Schweiß auf seiner Haut.
Er sieht nicht mehr, er hört nicht mehr, er riecht nicht mehr.
Er ist der Schmerz, der ihn jetzt in die Knie zwingt.
Die Berührung des Teppichs ist die stachelige Spitze des Schmerzes.
Nur seine Hände und Füße berühren den Teppich, sein Körper wölbt sich nach oben. Aber der Schmerz zwingt nun doch die Knie auf den Boden.
Er kann nicht schreien, denn der Schmerz nimmt ihm die Stimme.
Ein Beobachter würde nur ein Keuchen hören, ausgestoßen von Lungen die sich mit Luft füllen und dabei ihre Form ändern.
Knochen brechen, ordnen sich neu an. Organe verändern ihre Form und Größe und ordnen sich neu an.
Seine Oberschenkel verkürzen sich, seine Hände und Füße verlängern sich.
Finger verkürzen sich, Nägel wachsen.
Fell wächst, bohrt sich wie feurige Nadelstiche durch die Haut.
Man hört das Knacken der brechenden Knochen, erahnt nicht im leisesten, wie sehr es schmerzt.
Zähne fallen blutig aus, die Kiefer verformen sich.
Zähne wachsen, scharf und spitz.
Die Nase so empfindlich, daß Gerüche zu sehen sind.
Die Ohren so scharf, daß Töne zu sehen sind.
Der Körper erbebt ein letztes Mal, der Mensch denkt ein letztes Mal, dann ist es vollendet.
Instinkt treibt ihn voran, er fühlt sich leicht, schnell und unglaublich stark. Unter prächtigem Fell sieht man das geschmeidige Spiel starker Muskeln, sein Ruf hallt durch die Straßen und Wissende zucken ängstlich zusammen…

Ich liebe diese Szene der menschlichen Phantasie. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich mir diesen Film schon angeschaut habe, aber es war bestimmt schon mehr als 15 Mal.
Während der Film-Werwolf auf die Jagd geht schweifen meine Gedanken ab. Ich denk an all die Bücher die sich mit Werwölfen befassen. Es gibt sogar Rollenspiele, die sich mit Werwölfen und Vampiren befassen. Es ist faszinierend, wie sehr der Mensch sich mit den finsteren Abgründen seiner selbst befasst und das zum Teil auf heroische Weise.
Garou werden Werwölfe im Rollenspiel genannt, streng getrennt nach Herkunft, Fähigkeit und Art, unterteilt in Clans.
In der Literatur gibt es sogar Wer-Schakale, von den ganzen Wer-Katzen und Wer-Was-Weiß-Ich ganz zu schweigen.
Aber dennoch zieht es den Menschen immer wieder zu den Wölfen. Jenen herrlichen Tieren um die sich so manche Sagen ranken. Leider meist Sagen und Geschichten in denen der Wolf eine eher unrühmliche Figur macht.
Man sagt, der Wolf war vor den Menschen und er würde noch nach den Menschen sein. Vielleicht ist das der Anlaß für all die Geschichten. Gefürchtet und geliebt zugleich, jagt der Mensch ihn oder will er eins sein mit ihm. Manchmal möchte der Mensch sogar in die Haut des Wolfes schlüpfen.
Ach da fällt mir ein, da gab es noch jenen Werwolffilm, da verwandelt sich der Mensch mehr innerlich als äußerlich in den Wolf. Eine wirklich gelungene Interpretation des Werwolfes hervorragend dargestellt. Aber das ist kein Wunder, der Darsteller ist einer von uns.

Das Geschehen auf dem Bildschirm holt mich aus meinen Gedanken zurück. Der Mann unterhält sich mit seinen toten Opfern, sie flehen ihn an, er solle sich selber töten, damit auch sie ihre Ruhe finden.
So ist es aber nicht, niemals flehen tote Opfer ihre Täter an, sie bleiben tot.
Nun wird er erschossen, zurück bleibt der verletzliche schwache menschliche Körper, getötet von entsetzlich normalen Geschossen.
Irgendwie gefielen mir die älteren mystischeren Geschichten um den Werwolf mehr, als das neumodische Zeugs von heute.

Ich stehe auf.
Es ist Nacht und als ich den Vorhang zur Seite schiebe, ergießt sich silbern das Licht des Vollmondes in das Zimmer.
Ich halte eine Hand in das Mondlicht.
Es ist warm und irgendwie kühl zugleich.
Es prickelt und in meinem Bauch breitet sich ein Gefühl aus, wie es nur frisch Verliebte kennen.
Ein wohliges Flattern, nervöse Freude auf das was jetzt folgen wird.
Ich ziehe mich aus, gestatte aber nur einer Hand oder auch mal einen Fuß das Bad im Mondlicht.
Zu schön ist das Gefühl.
Ich zögere es genießerisch hinaus.
Immer mehr Haut laß ich vom Mond bescheinen, ich räkel mich auf dem kühlen Parkett meines Wohnzimmers.
Kühl aber nicht kalt, berührt das Licht des Mondes meine Haut.
Meine Gedanken ändern sich.
Damit fängt es immer an.
Die Gedanken ändern sich.
Ich spüre das Blut der Familie, älter als das Blut der Menschen.
Ich rieche das Licht des Mondes und höre seine süße Melodie.
Mein Körper sehnt sich nach der Liebkosung seines Lichtes.
Er reckt sich ihm entgegen, dreht und windet sich.
Meine Gedanken schwinden, werden weniger fassbar und doch so klar.
Und während sich meine Muskeln straffen, meine Pfoten im schnellen Lauf den Boden kaum berühren, die Lust nach des Opfers Blutes fast schon unerträglich wird, denke ich ein letztes Mal: Es tut gar nicht weh…

Ezri, Zürich 03.01.2004

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Die Jagd (Vampirgeschichte)

9. Oktober 2009

Prof. Dr. Eichenstich wartete dezent vor der Tür. Schweigend führt er mich aus dem labyrinthartigen Gebäude heraus.
Ich lasse mich durch die Straßen treiben, spüre den Hunger in meinen Eingeweiden nagen. Langsam fängt er an mich zu hetzen und verlockend spüre ich die Wärme der Menschen, die mir unterwegs begegnen.
Ich setze mich auf eine Bank, warte und schaue und in meinem Inneren brodelt es.
Ein junger Mann kommt vorbei und ich stehe auf, schaue ihn hilflos an.
„Hey Mädel. Hast Du dich verlaufen?“
Ich nicke. Das also nennt man Jagd.
Er kommt näher.
„Wo willst Du denn hin?“
Ich zucke mit den Schultern. Ich weiß, daß er mich nett findet und ich weiß, daß er mich mitnehmen möchte. Ich reize ihn durch meine seltsame Art. Ich bin für ihn ein Rätsel und er ist ein Mann, der gerne Rätsel löst.
Er bietet mir seinen Arm an. „Komm mit, ich kenn mich hier aus.“
„Ich will in die Dunkelheit.“ sage ich und er schaut mich verwirrt an. Zeitgleich schmiege ich an ihn an. Er ist ja nur ein Mann und er reagiert genauso, wie ich es möchte.
„Ich fühl mich etwas allein, aber in Deiner Begleitung…“ Er fühlt sich wie ein Held, sein Körper strafft sich und wir gehen weiter. Er spürt nicht, daß ich ihn lenke, ihn führe und irgendwann stehen wir in einer dunklen Seitenstrasse.
„Es ist schön hier, so dunkel und so einsam.“ Mein Blick ist vielsagend. „Schenkst Du mir einen Kuß?“ Ich schaue ihn an, naiv und kindlich und dennoch etwas anzüglich.
„Oh man, Du legst ein ganz schönes Tempo vor.“ „Gefalle ich Dir nicht?“ Mein Mund verzieht sich zu einem süßen Schmollen, kaum kann ich meine Fänge noch verbergen. Was er für sexuelle Erregung hält ist mein Hunger, mein Jagdtrieb.
Ich nehme seinen Kopf zwischen meine Hände, drehe ihn etwas zur Seite und meine Zunge leckt zart über die empfindliche Haut seines Halses. Sein rechter Arm umschlingt mich, seine linke Hand bahnt sich ihren Weg unter meine Kleidung. Sie ist so warm und ich bin so kalt.
Mit masochistischer Langsamkeit versenke ich meine Fänge in die Haut seines Halses. Kurz nur zuckt er zusammen, doch sofort setzt die betäubende Wirkung meines Speichels ein. Ich gestatte mir nur winzige kleine Schlückchen, genieße seine Wollust, die er dabei empfindet. Schon längst sind seine Beine eingeknickt und ich halte ihn in meinen Armen, spüre seine Erektion an meinem Oberschenkel. Er stöhnt im Rhythmus meiner Schlucke und wer auch immer das hören würde, der würde sich seinen Teil dazu denken, uns aber nicht stören.
Sein Puls wird flatterhaft und sein Herz schlägt wild. Ohnmacht läßt sein Stöhnen verstummen. Langsam ziehe ich meine Fänge zurück, lecke wieder zart über die Haut seines Halses und lege ihn sanft ab.
Wenn er erwacht, bin ich schon längst fort. Nur ein Gespinst seiner Phanatsie…

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Raserei (Rollenspielausschnitt)

9. Oktober 2009

Das Gefühl im Bauch war einfach nur lästig, der Hunger hingegen schier unerträglich.
Jeden Abend erwache ich mit diesem Gefühl. Jeden verdammten Abend und dabei hat meine Existenz als Untote gerade erst angefangen.
Ich richte mich auf, schiebe die Haut- und Fleischfetzen in meine Bauchhöhle und wickle mir ein Tuch um den Bauch, verdecke damit das Loch.
Der Hunger brennt und hastig ziehe ich mir einen Pulli über. Endlich bin ich fertig angezogen, ein Seitenblick auf die Gekreuzigte, dann öffne ich die Bunkertür und eile nach oben. Die Nacht fing heute sehr spät an.

Mittsommernacht

Ich gehe sehr schnell die Straße entlang, weg von meiner Zuflucht. Jage nicht vor Deiner Tür…
Es zieht mich in den Wald. Der Hunger nagt, ich sehe Beute unterwegs, aber ich kann nicht jagen. Es zieht mich in den Wald. Ich fühle mich schwach, der Hunger tut weh, aber es zieht mich in den Wald. Es ist dunkel, aber ohne es zu merken schärfe ich meine Sinne. Überlaut raschelt das alte Laub unter meinen Füßen, überlaut knacken kleinere Äste unter meinem Tritt. Aber ich kann sehen wohin ich gehe, renne nicht gegen jeden Baum, stolpere nicht über jeden Hügel. Und dann rieche ich es.

Blut

Der Geruch ist köstlich, er lockt mich. Ich mobilisiere meine Kraftreserven und folge der Duftspur. Unter dem Blutgeruch nehme ich auch Alkohol-Geruch war. Ich renne nun. Mir ist es egal, ob ich gehört werde, ich will nur hin zu der Quelle des köstlichen Geruchs.
Plötzlich bleibe ich stehen und bücke mich. Sind meine Schuhe zugebunden? Ich kontrolliere meine Schuhe. Ja, sie sind zugebunden und ich renne weiter.
Grelles Licht blendet mich, ich reiße meine Arme hoch, schütze meine Augen und nehme zugleich ein Bild von unglaublicher Schönheit war. Nahrung hängt von den Bäumen herab und da wo das Licht herkommt ist der Blutgeruch am intensivsten.

„Schwester Blue, Willkommen zum Mittsommernachtsfest…“ dröhnt es in meinen Ohren. Ich will weniger wahrnehmen.

Blut

Rote Schleier legen sich vor meinen Augen, mein Körper bewegt sich. Ich ziehe mich zurück, sitze in meinem Kopf und mein Körper holt sich Blut. Meine Hände krallen sich in das warme Fleisch eines jungen Mannes. Sie reißen es auf und Blut spritzt. Es füllt meine Kehle.
Keine Gefühle, keine Empfindungen, keine Wahrnehmung. Mein Körper bewegt sich kraftvoll wild und ich sitze im hintersten Winkel meines Kopfes und schaue erstaunt zu.
Ich kann nichts machen nur zuschauen und warten bis es vergeht. Vergeht es überhaupt? Ein Gedanke, der mich ängstigt, doch ich kann ohnehin nichts tun. Nur abwarten und beobachten. Im Augenwinkel seh ich einen abgerissenen Arm fliegen, fast wie in Zeitlupe dreht er sich in der Luft, die Finger seiner Hand zucken und die Armbanduhr blitz im Schein der „menschlichen“ Lampions. Sein Blut spritzt und benetzt mein Gesicht…

Scharfer Schmerz in meiner Brust. Mein Körper eben noch so kraftvoll bricht einfach zusammen. Und ich sitze in meinem Kopf und kann immer noch nichts machen. Ich spüre den Waldboden, sehe Füße. Mein Körper gehorcht mir nicht und ein spitzer scharfer Schmerz sitzt in meiner Brust. Sind meine Schuhe eigentlich zu?.
Ein Gesicht erscheint vor meinen Augen. Es ist das Gesicht von Herbert: „Ruhig, Schwester, ruhig… Auch andere Söhne Kains lechzen nach dem Blut der Kinder Seths.“
Ich möchte antworten, sagen, dass ich ganz ruhig bin, aber meine Zunge liegt schlaff in meinem Mund mit dem köstlichen Geschmack des Blutes. Würde ich noch atmen, würde ich erstmal verschnaufen.
Ich verstehe nicht, möchte fragen, aber ich kann nicht. Herbert verschwindet aus meinem Sichtfeld. Nichtmal meine Augen können sich bewegen, können den Blick schweifen lassen.
Ich spüre einen Strick um meine Waden. Er wird festgezurrt und ich werde auf den Rücken gedreht.
Rittlings setzt sich Herbert auf meine Brust, seine Knie drücken meine Oberarme in den weichen Waldboden. Seine rechte Hand umklammert meine Kehle.
„Ich entferne jetzt den Pflock“
Pflock? Welcher Pflock denn?
Ein Ruck, der Schmerz in meiner Brust wird noch mal kurz heftig, dann ist er weg. Herbert hält mir einen blutigen Ast vor die Augen. Ich habe den Impuls aufzuspringen, Herbert abzuschütteln, doch ich beherrsche mich.
Ich spüre nur wieder Hunger in mir aufsteigen.
Herbert lässt mich langsam los, reicht mir die Hand, damit ich aufstehen kann und führt mich zu einem der vom Baum herabhängenden Menschen.
„Trink noch mal und genieße das Fest…“
Ich bücke mich noch schnell und kontrolliere meine Schuhe.

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